• Die studentische Redaktion von ILP on blog sondiert, kommentiert, erschließt und vertieft das Geschehen und die Themen rund um den Internationalen Literaturpreis. Als Resonanzraum lädt das Blog ein zum Hören, Betrachten und Lesen.

Das Schreiben und die Existenz

Über Verfolgung, Zensur und Verbot.

Als 1988 der Roman „Die satanischen Verse“ des Autors Salman Rushdie in englischer Sprache erschien, löste das weltweit eine Welle der Empörung bei vielen muslimischen Gruppierungen aus. Symbolische Bücherverbrennungen, Demonstrationen und eine Petition, die sich an die Verlagsgruppe Penguin Group richtete, bei der „Die satanischen Verse“ verlegt wurde, gehörten noch zu den harmloseren Formen der Proteste. Grund dafür waren zwei weit in die Vergangenheit reichende Kapitel über einen Propheten namens Mahound – für die aufmerksamen Leser*innen als islamischer Religionsstifter Mohammed identifizierbar. Eine bewusste Provokation des Autors. Über das Radio verkündete der iranische Geistliche und politische Führer (Ajatollah) Ruhollah Chomeini eine Fatwa mit einem Kopfgeld für die Ermordung Salman Rushdies, seiner Verleger*innen und Übersetzer*innen. Weltweit solidarisierten sich Intellektuelle mit Rushdie und die Debatte um den Roman bekam dementsprechend eine mediale Aufmerksamkeit gewaltigen Ausmaßes. Weiterlesen

Newcomer oder Klassiker?

Was wir lesen.

Den neuen Spiegel-Bestseller, das längst zerlesene Lieblingsbuch, die Pflichtlektüre für die Uni – unsere Möglichkeiten sind endlos. Aber welche Schmöker tragen wir an einem sonnigen Tag im Juni bei uns? Hochwertige Einbände, Taschenbücher, oder doch lieber den eBook-Reader? Lesen wir auf Deutsch, Englisch oder gleich in einer der exotischeren Sprachen dieses Planeten? Zeit für eine Bestandsaufnahme! Beim Fest der Shortlist waren die sechs Favoriten der Jury allgegenwärtig, doch trugen viele der Besucher*innen noch eine ganze Reihe weiterer Bücher bei sich. Ein Blick in Handtaschen, Rucksäcke und Lesegewohnheiten des ILP-Publikums:

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Ein Beitrag von Julia Linne, Franziska Schatte und Sebastian Somfleth

Das Fest: Poetisch, Politisch, Polyglott

Soundcollage zum Fest der Shortlist.

Während des Fests der Shortlist haben wir uns unter Besucher*innen, Autor*innen, Übersetzer*innen und Veranstaltende gemischt. Die festgehaltenen Eindrücke, Geräusch- und Gesprächsfetzen gibt es nun hier zum Nachhören.

Ein Beitrag von Luca Lienemann und Mareike Köhler

Nun verstehen Sie mich doch endlich! IV

Plädoyer für die Erektion

Nicht nur fremde Sprachen sind unverständlich. Auch die eigene bereitet oft Mühe. Kaum hat man sich vermeintlich einen Sprachraum erschlossen, erweisen sich einige seiner interessantesten Ecken als unzugängliche Sumpflandschaften, die unversehens in kommunikative Stromschnellen übergehen, um uns schließlich an metaphorischen Klippen kentern zu lassen.

In solchen terrae incognitae müssen wir auf die Expertise ortskundiger Führer vertrauen. Ganze Berufsstände beruhen einzig darauf, dass wenige Eingeweihte eine Sprache sprechen können, die dem Volksmund nicht über die Lippen kommt. Ad impossibilia nemo tenetur. Ein gutes Beispiel dafür sind die Juristen. Die Geschichten, die Jura schreibt, entziehen sich alltäglichen Erzählweisen. Beunruhigenderweise haben sie entscheidenden Einfluss auf ganz reale Lebensgeschichten. Weiterlesen

Une perversion de la réalité

„On prend la réalité, on la malaxe, on la brise, on la broie…“

Shumona Sinha und Lena Müller haben mit dem Roman Assommons les pauvres! und der deutschen Übersetzung Erschlagt die Armen! den ILP 2016 gewonnen. In einem Interview en français mit den Redakteur*innen von ILPonblog spricht Shumona Sinha über Sprachpolitik, Kollektiverinnerungen und die Rolle der Dolmetschenden.

Eines der Hauptthemen ihres Romans ist die Macht der Sprache. Sie hat die Macht, Zugang zur Wahrheit zu ermöglichen, aber auch die Wahrheit zu verschleiern. Inwieweit war es Ihr Ziel, es durch eine ausschmückende und detailreiche Sprache dem Leser nicht zu leicht zu machen?

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Preisgekrönt und missverstanden?

Einige Eindrücke vom Fest der Shortlist.

Lena Müller liest aus Erschlagt die Armen! – Fest der Shortlist 2016 | ©  Johanna Baschke | www.johannabaschke.de
„Das ist doch totaler Quatsch, sinnloses Geschwafel“, meint ein Freund zu mir, kurz bevor er das Fest der Shortlist verlässt. „So bin ich wenigstens wieder im Trockenen, bevor das Gewitter anfängt“, flüstert er mir während des Materialgesprächs mit dem russischen Autor Alexander Ilitschewski, dem Übersetzer Andreas Tretner und dem Jury-Mitglied Jörg Plath zu. Dann steht er auf und geht. Für mich ein Anlass, mich zu fragen, welche Zielgruppe das Gespräch eines zeitgenössischen internationalen Autors mit Kennern seines Werks finden kann: Wen interessiert so etwas? Die Nerds, die Leute aus dem Literaturbetrieb? Wie kann man derartige Veranstaltungen einem breiteren Publikum schmackhaft machen? Welche Argumente gibt es, um diejenigen, die nicht Teil des Literaturbetriebs sind und die von den hier versammelten Autor*innen nichts gelesen haben, zum Kommen und Bleiben zu bewegen? Weiterlesen

Hängematte oder Wartezimmer?

Wo und wie wir lesen.

Wir lesen immer und überall – die Zeitung in der Bahn, den Einkaufszettel neben der Käsetheke, die neueste E-Mail auf dem Smartphone, während die Ampel noch auf Rot steht. Doch wo nehmen wir die Lektüre zur Hand, die uns wirklich wichtig ist? Das Buch, das vielleicht schon seit Monaten im Regal darauf wartet, verschlungen zu werden? Beim Fest der Shortlist konnte man sich nicht nur aus den Favoriten der Jury vorlesen lassen, rund ums HKW gab es auch andere Orte zu entdecken, um in Ruhe zu schmökern, beispielsweise in Shumona Sinhas Erschlagt die Armen!, dem diesjährigen Preisträgerbuch – ein Plädoyer fürs Lesen außerhalb von Bahn und Ampelphase.

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Ein Beitrag von Julia Linne, Franziska Schatte und Sebastian Somfleth

Mehr zu Erschlagt die Armen!, Shumona Sinha und Lena Müller

Fest der Shortlist & Preisverleihung 2016

Ausweitung der Lesezone: Lesungen, Materialgespräche, Befragungen & Roundtables.

Zu welchen Formen findet gegenwärtiges Erzählen? Wie manifestiert sich Gegenwart in Sprache und Texten, die übersetzt ihren Weg durch neue mediale und kulturelle Zusammenspannungen finden? Der Internationale Literaturpreis begibt sich dorthin, wo das „Literatur machen“ seinen Lauf nimmt: inmitten des Schreibens, Übersetzens, Lesens und deren Folgen. Die Ausweitung der Lesezone verhandelt sich wandelnde Sprachcodes, um- und ausgreifende Texte und Paratexte, unerwartete Komplizen- und Mitleserschaften in einer beschleunigten literarischen Gegenwart.

In Lesungen und Materialgesprächen geben Autor*innen und Übersetzer*innen Einblick in ihren persönlichen Lektürekanon, in Produktionsprozesse und die Kontexte und Paratexte des eigenen Werks und der Übertragungen. Entstandene „Fragen beim Lesen“ beantworten sie der Social-Reading-Group zur Shortlist 2016. An gemeinsamen Roundtables werden die „Ökonomien des Übersetzens“ und die Erfahrung des „Übersetzt werdens“ in gegenwärtigen Weltzusammenhängen verhandelt. Den sommerlichen und polyglotten Parcours moderieren Thomas Böhm und Aurélie Maurin.

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