• Die studentische Redaktion von ILP on blog sondiert, kommentiert, erschließt und vertieft das Geschehen und die Themen rund um den Internationalen Literaturpreis. Als Resonanzraum lädt das Blog ein zum Hören, Betrachten und Lesen.

Warten auf den Walt Disney der Graphic Novel …

Ein Plädoyer für gezeichnete „Erzählliteratur“

Die Shortlist des Internationalen Literaturpreises 2016 steht fest, bald auch das Preisträger-Duo. Die Titel sind nach bestimmten (oder unbestimmten) Kriterien aus einer Vielzahl von Einreichungen ausgewählt worden. Aber was ist mit den anderen Werken passiert? Warum wurden gerade sie ausgeschlossen?

Die Jury hat viele, viele Bücher gelesen (151 Titel in diesem Jahr), die alle einem gewissen Anspruch gerecht werden. Sie hat kommentiert, verhandelt, abgewogen, schließlich sechs ausgewählt. Wie bei Aschenputtel wurde dabei aussortiert: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Wobei es ganz so einfach nicht ist: Das Jurieren ist ein komplexer und viel diskutierter Prozess. Doch noch bevor der große Bücherwust unter den Jurorinnen und Juroren zur Erstlektüre aufgeteilt wurde, hat bereits ein stiller Selektionsprozess anhand formaler Kriterien stattgefunden. Weiterlesen

Nun verstehen Sie mich doch endlich! I

Sauron in Braunschweig

Ich hasse Niedersachsen. Schon immer. Niedersachsen ist wie das Königreich Rohan aus J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe – ein schrecklich ödes Land, endlose Steppen, Pferde, eine verstockte Bevölkerung mit Jobs in der Kutschenmanufaktur. Das ist ein schräger Vergleich, aber besser ein schräger Vergleich als gar keiner. Denn kein Vergleich ist unstatthaft, auch wenn man versucht, uns einzureden, es verbiete sich Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Schon allein der Umstand, dass es die Einheiten ‚Äpfel‘ und ‚Birnen‘ gibt, zeugt ja von einem vorangegangenen Vergleich. Vergleiche ermöglichen also einen Zugriff auf die Welt, strukturieren und erklären sie, und noch wichtiger: Vergleiche setzen einen in Verantwortung zur Welt. Wenn A zu B sagt, C habe ein schönerers Schlüsselbein als A, haben die beiden – neben dem Schlüsselbein an sich – immerhin etwas gemeinsam. Sie sind Teil eines Satzes, der sie miteinander in Beziehung setzt. Von daher sind selbst schräge Vergleiche sehr viel humanistischer als Renaissance-Fresken. Sie bilden die sprachlich einfachste Form einer Bezugnahme. Weiterlesen

ILP-Shortlist 2016: Eine Cover-Reise

Originaltexte und Übersetzungen

Aus über 150 Einsendungen hat sich die ILP-Jury nach monatelangen Diskussionen nun für sechs Bücher in deutscher Übersetzung entschieden. In welchen Sprachen die ILP-Nominierungen 2016 noch erschienen sind, zeigen die Covercollagen:

Gif Ein Sturm wehte vom Paradiese her

Johannes Anyuru: Ein Sturm wehte vom Paradiese her
Aus dem Schwedischen von Paul Berf │ En storm kommer från paradiset
Luchterhand Literaturverlag 2015Norstedts, Stockholm 2012 Weiterlesen

Preise und Juroren: Verschiedene Blickwinkel

Jurorin Sabine Scholl über Literaturpreise.

Sabine Scholl bei der zweiten Jurysitzung 2016

Sabine Scholl bei der ILP-Jurysitzung zur Shortlist 2016

Literaturpreise sind Instrumente zur Gewinnung von Aufmerksamkeit in allen Aktionsfeldern des Betriebs. Aufgrund von Preisen aufgewertete Werke werden ausreichend beworben, in Buchhandlungen angeboten, werden gekauft, gelesen, besprochen, die Autoren werden zu mehr Lesungen mit höheren Honoraren geladen, bekommen Kredit bei Verlagen und das Interesse für folgende Projekte ist ihnen sicher. – Wie aber kommt eine Jury zur Auswahl dieser guten Literatur und nach welchen Gesichtspunkten verfährt sie?

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„Writing in Berlin“

Heimweh – eine Reihe über das Schreiben im Ausland

Laksmi Pamuntjak, geb. 1971, lebt in Djakarta und gehört zu den international bekanntesten indonesischen Autor*innen. Sie arbeitet als Journalistin und Kolumnistin für internationale Zeitungen, veröffentlichte Gedichte und Romane. Als Stipendiatin des LCB lebte sie 2015 mehrere Wochen in Berlin.

It isn’t always easy to say why we writers need noise and solitude, light and darkness, to escape from and to stay in—much less when, and for how long. Harder still to know what kind of newness and routine, stimulus and silence, we need at which point of our writing. (And what kind of writing?)

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„It’s quite an amazing and mysterious process …“

Interview mit Teju Cole, dem Preisträger des ILP 2013

Jede Antwort, die Teju Cole im Interview über sein künstlerisches Schaffen gibt, gewährt Einlass in den Kosmos interdisziplinärer, literarischer Projekte, jede Antwort bietet einen Einblick, ob als kleiner Ausschnitt oder Teil des Ganzen. Teju Cole beschreibt, wie sehr sich für ihn Fotografie und Literatur ähneln. Wie die Übersetzung seiner Werke ihn nicht befremdet, sondern eine enge Verbindung zu seinen Lesern herstellt. Wie die verschiedenen Ausgaben und deren Cover-Gestaltungen seinem Werk neues Leben schenken. Wie interdisziplinäre Arbeit in einem sich verwandelnden Europa immer wichtiger wird. Und wie stark er sich mit Ivan Vladislavićs neuem Roman Double Negative verbunden fühlt.

Aus aktuellem Anlass stellt sich zunächst die Frage zu Teju Coles neuer Stelle als kulturellem Berater im HKW, die er seit dem 2. Mai 2016 wahrnimmt. Während er über den ILP spricht, kann er ein großes, stolzes Lächeln nicht verstecken. Aber was sind seine Erwartungen für die neue Position hier in Berlin? Was werden seine Aufgaben sein?

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State of Play

Der ILP in Zahlen

Der Internationale Literaturpreis versteht sich nicht nur als Auszeichnung für hervorragende Leistungen im Bereich fremdsprachiger Erzählliteratur und literarischer Übersetzungen, sondern kann auch als Archiv der Literaturlandschaft weltweit gelesen werden. Denn selbst wenn es letztlich nur ein Gewinner-Duo gibt, macht der Preis nichtsdestotrotz auf weitere Stimmen der internationalen Gegenwartsliteratur aufmerksam:

STATE OF PLAY. Der ILP in Zahlen – Anzahl der Einsendungen, Sprachen und Länder | © Luca Lienemann Weiterlesen

Babel auf Indisch

Einblicke in die Literaturlandschaft(en) Indiens

Britisch-Indien, geographischer Vorreiter der heutigen Staaten Indien, Pakistan und Bangladesch, galt zur Kolonialzeit als „Juwel in der Krone Großbritanniens“. Militär, Wirtschaft, Bildung ‒ das Vereinigte Königreich dominierte seine Kolonie in vielerlei Hinsicht: Die englische Sprache galt als Kommunikationsmittel der Eliten und der finanzielle Ertrag des „Juwels“ floss nach Europa.
Die Folgen des Kolonialismus sind noch heute sichtbar ‒ oder besser gesagt hörbar: Neben Englisch sind in Indien 23 Sprachen sowie unzählige regionale Dialekte verbreitet,[1] durch die Verständigungsprobleme an der Tagesordnung sind, sodass sie das Land wie ein „modernes Babel“ wirken lassen.

Grafik: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Grafik: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

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