• Die studentische Redaktion von ILP on blog sondiert, kommentiert, erschließt und vertieft das Geschehen und die Themen rund um den Internationalen Literaturpreis. Als Resonanzraum lädt das Blog ein zum Hören, Betrachten und Lesen.

Une perversion de la réalité

„On prend la réalité, on la malaxe, on la brise, on la broie…“

Shumona Sinha und Lena Müller haben mit dem Roman Assommons les pauvres! und der deutschen Übersetzung Erschlagt die Armen! den ILP 2016 gewonnen. In einem Interview en français mit den Redakteur*innen von ILPonblog spricht Shumona Sinha über Sprachpolitik, Kollektiverinnerungen und die Rolle der Dolmetschenden.

Eines der Hauptthemen ihres Romans ist die Macht der Sprache. Sie hat die Macht, Zugang zur Wahrheit zu ermöglichen, aber auch die Wahrheit zu verschleiern. Inwieweit war es Ihr Ziel, es durch eine ausschmückende und detailreiche Sprache dem Leser nicht zu leicht zu machen?

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Preisgekrönt und missverstanden?

Einige Eindrücke vom Fest der Shortlist.

Lena Müller liest aus Erschlagt die Armen! – Fest der Shortlist 2016 | ©  Johanna Baschke | www.johannabaschke.de
„Das ist doch totaler Quatsch, sinnloses Geschwafel“, meint ein Freund zu mir, kurz bevor er das Fest der Shortlist verlässt. „So bin ich wenigstens wieder im Trockenen, bevor das Gewitter anfängt“, flüstert er mir während des Materialgesprächs mit dem russischen Autor Alexander Ilitschewski, dem Übersetzer Andreas Tretner und dem Jury-Mitglied Jörg Plath zu. Dann steht er auf und geht. Für mich ein Anlass, mich zu fragen, welche Zielgruppe das Gespräch eines zeitgenössischen internationalen Autors mit Kennern seines Werks finden kann: Wen interessiert so etwas? Die Nerds, die Leute aus dem Literaturbetrieb? Wie kann man derartige Veranstaltungen einem breiteren Publikum schmackhaft machen? Welche Argumente gibt es, um diejenigen, die nicht Teil des Literaturbetriebs sind und die von den hier versammelten Autor*innen nichts gelesen haben, zum Kommen und Bleiben zu bewegen? Weiterlesen

Hängematte oder Wartezimmer?

Wo und wie wir lesen.

Wir lesen immer und überall – die Zeitung in der Bahn, den Einkaufszettel neben der Käsetheke, die neueste E-Mail auf dem Smartphone, während die Ampel noch auf Rot steht. Doch wo nehmen wir die Lektüre zur Hand, die uns wirklich wichtig ist? Das Buch, das vielleicht schon seit Monaten im Regal darauf wartet, verschlungen zu werden? Beim Fest der Shortlist konnte man sich nicht nur aus den Favoriten der Jury vorlesen lassen, rund ums HKW gab es auch andere Orte zu entdecken, um in Ruhe zu schmökern, beispielsweise in Shumona Sinhas Erschlagt die Armen!, dem diesjährigen Preisträgerbuch – ein Plädoyer fürs Lesen außerhalb von Bahn und Ampelphase.

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Collage: Julia Linne (CC BY-NC-SA 4.0 DE)

Ein Beitrag von Julia Linne, Franziska Schatte und Sebastian Somfleth

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Fest der Shortlist & Preisverleihung 2016

Ausweitung der Lesezone: Lesungen, Materialgespräche, Befragungen & Roundtables.

Zu welchen Formen findet gegenwärtiges Erzählen? Wie manifestiert sich Gegenwart in Sprache und Texten, die übersetzt ihren Weg durch neue mediale und kulturelle Zusammenspannungen finden? Der Internationale Literaturpreis begibt sich dorthin, wo das „Literatur machen“ seinen Lauf nimmt: inmitten des Schreibens, Übersetzens, Lesens und deren Folgen. Die Ausweitung der Lesezone verhandelt sich wandelnde Sprachcodes, um- und ausgreifende Texte und Paratexte, unerwartete Komplizen- und Mitleserschaften in einer beschleunigten literarischen Gegenwart.

In Lesungen und Materialgesprächen geben Autor*innen und Übersetzer*innen Einblick in ihren persönlichen Lektürekanon, in Produktionsprozesse und die Kontexte und Paratexte des eigenen Werks und der Übertragungen. Entstandene „Fragen beim Lesen“ beantworten sie der Social-Reading-Group zur Shortlist 2016. An gemeinsamen Roundtables werden die „Ökonomien des Übersetzens“ und die Erfahrung des „Übersetzt werdens“ in gegenwärtigen Weltzusammenhängen verhandelt. Den sommerlichen und polyglotten Parcours moderieren Thomas Böhm und Aurélie Maurin.

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„Erschlagt die Armen!“ – Eine große Entdeckung

Eine Jury-O-Ton-Collage.

Es steht längst fest: Die Autorin Shumona Sinha und die Übersetzerin Lena Müller werden für Erschlagt die Armen! mit dem diesjährigen Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet. Die Jury hatte zuvor aus über 150 eingereichten Titeln sechs für die Shortlist bestimmt – die alle sehr stark waren, ist sich die Jury einig. Wohingegen bei der Bestimmung des Preisträger-Duos keine unmittelbare Einigung erzielt werden konnte. Doch was genau hat letztlich den Ausschlag gegeben? Was zeichnet Erschlagt die Armen! nicht nur gegenüber den anderen Titeln aus? Was war der Jury wichtig? – Marko Martin, Jörg Plath, Iris Radisch und Sabine Scholl geben Antworten.

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In der Lesezone

Hörstücke zur ILP-Shortlist 2016.

Sechs Titel stehen auf der Shortlist des ILP 2016. Jeder ist auf ganz eigene Art spannend, hat Ecken und Kanten und nimmt unterschiedliche Blickwinkel ein. In der Lesezone wimmelt es demgemäß von höchst unterschiedlichen Figuren: unter anderem einem ehemaligen Piloten, einer Reporterin, einem Geologen, einem Auktionator, einer Übersetzerin, einem Studienabbrecher und Fotografen. In Griechenland, Sambia, Schweden, Polen, Holland, Aserbaidschan, Mexiko, Frankreich und Südafrika sind sie auf der Suche nach ihrer persönlichen Freiheit und Heimat, den Lügen und Wahrheiten, dem Ursprung des Lebens, alten Freunden, ihrer Geschichte und ihren Erinnerungen, nach Schätzen und Gebissen. – Bevor die Lesezone beim Fest der Shortlist ausgeweitet wird, tauchen die Hörstücke noch einmal ein, in die (Figuren-)Welten, die Bilder und Geschichten der ILP-Shortlist 2016.

Johannes Anyuru: Ein Sturm wehte vom Paradiese her

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Nun verstehen Sie mich doch endlich! III

to quit – Schluss machen

Nie liebte ich eine Engländerin. Und auch keine Frau aus dem restlichen angelsächsischen Raum. Meine Frauen waren immer deutschsprachig. Ich bin kein nationalistischer Romantiker. Ich reise nur nicht gern. Allerdings habe ich mich überdurchschnittlich oft in Frauen verliebt, die für einzelne Sätze ins Englisch wechselten. Man könnte sagen: I have a thing for this kind of women. Weiterlesen

Lyrisch, Drastisch, Provokant: „Erschlagt die Armen!“

Die Presse zum diesjährigen Preisträger

Die Jury hat ein letztes Mal getagt und sich entschieden: Für das vermutlich am intensivsten in den Medien diskutierte Buch der Shortlist: „Erschlagt die Armen!“ („Assommons les pauvres!“). Der knapp hundertseitige Roman ist politisch hochaktuell und konnte die Jury auch sprachlich überzeugen.
Der ILP 2016 geht somit an die Autorin Shumona Sinha und ihre Übersetzerin Lena Müller.
Aber von Vorn: Weiterlesen